Blutdruckmessung

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Es ist schon fast 4 Jahrzehnte her, als mich mein Physiologie-Professor Dr. Alfred Kment im Rahmen einer Prüfung folgendes verschmitzt lächelnd fragte: „Herr Kollege, ihre Oma ist zu Besuch und sie hat auch ihren alten Dackel Fridolin mitgebracht. Da sie selbst regelmäßig den Blutdruck messen muss, meint sie: ich habe meinen Blutdruckmesser mitgebracht, könntest du das bei Fridolin schnell machen, er ist oft so müde, vielleicht helfen ihm ja auch meine Tabletten?“

In der Zwischenzeit ist viel Wasser die Salzach hinab geflossen und es ist heute auch bei unseren Haustieren zur Routine geworden, regelmäßig den Blutdruck zu kontrollieren. Die modernen Geräte sind sehr einfach zu bedienen, hochsensibel und für Hunde und Katzen fast stressfrei in der Anwendung. Die erhaltenen Messwerte sind gut reproduzierbar.

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Prinzipiell wird zwischen der direkten (invasiv, blutig) und der indirekten (nichtinvasiv, unblutig) Blutdruckmessung unterschieden. Die Direktmethode ist noch immer der Goldstandard und erfolgt mit einem intraarterill liegenden Katheter mit einem elektronischen Messsystem oder über einen sogenannten Tipkatheter. Diese Methode ist für die Praxis eher ungeeignet und so wird hier auf folgendee indirekte Methoden zurückgegriffen: Doppler-Ultraschall (Doppler-Shift-Signal), Oszillometrie (Arterienwandschwingung) und High Definition Oszillometrie HDO (Arterienwandschwingung). Wir haben uns in der Praxis für die HDO Messung entschieden.

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WOZU DER AUFWAND?

Wenn man vom Blutdruck spricht, meint man in der Regel den arteriellen Blutdruck. Man unterscheidet auch beim Tier den systolischen und den diastolischen Blutdruck.

Es ist eine der wichtigsten Aufgaben des Körpers, den Blutdruck in relativ engen Grenzen zu halten. Die Aufrechterhaltung eines arteriellen Mindestdruckes bis hinein in die kleinsten Kapillargefäße ist notwendig, um eine ausreichende Versorgung (Nährstoffe, Sauerstoff) von lebenswichtigen Organen und Geweben sicherzustellen und um Stoffwechselprodukte abzutransportieren. Der Blutdruck ist keine starre Größe, er ist vielmehr ein sensibles Gesundheitsbarometer, das schon physiologischerweise leichten Schwankungen unterworfen ist.

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Normwerte: Bei Katzen ist der Blutdruck rasseunabhängig und ergibt einen Referenzwert von 124/ 84, Hunde zeigen rassenspezifische Unterschiede. Der Durchschnittswert liegt bei 133/ 75 (Beispiele: Greyhound 149/87, Chihuahua 134/84, Yorkshire Terrier 121/69, Labrador Retriever 118/66),  Schwankungen um plus/minus 6-20 mm Hg sind möglich. Man kennt bei unseren Haustieren auch den vom Menschen bekannten White-Coat (Weißkittel-) Effekt, allein die klinische Untersuchung kann den systolischen Blutdruck um 30 mm Hg erhöhen.

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KRANKHAFTE VERÄNDERUNGEN

Es sind sowohl Erhöhungen (Hypertonie) als auch Erniedrigungen (Hypotonie) des Blutdrucks möglich. Die Blutdruckveränderungen treten häufig bei folgenden Erkrankungen auf, können diese auch zum Teil verursachen: Nierenversagen oder Nierenunterfunktion, Cushing Syndrom, Zuckerkrankheit, Augenerkrankungen, Schilddrüsenfehlfunktionen, Herzinsuffizienz, um nur die wichtigsten zu nennen.

THERAPIE

Für die Therapie von Blutdruckproblemen steht eine ganze Reihe von hochwirksamen und einfach zu applizierenden Medikamenten zur Verfügung, die von fast allen Hunden und Katzen gut vertragen werden. Sehr häufig kann man bereits nach kurzer Zeit beobachten, dass es den Tieren wieder besser geht.