Das Kaninchen

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Kaninchen leben im Sommer sehr gefährlich, sie vertragen Hitze nur sehr schlecht. Da kann es für einen Hitzekollaps schon genügen, wenn das Freigehege in der prallen Sonne steht und keine Rückzugsmöglichkeit in schattige und auch kühlere Bereiche bietet.

Abstammung: Europäisches Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus L)
Durchschnittliche Lebensdauer. 6-13 Jahre
Körpergewicht: 1-10 kg (Rasseabhängig)
Atemfrequenz: 35-100 Atemzüge/ min
Atemzugvolumen: 4-6 ml/ kg
Pulsfrequenz: 130-325 / min
Innere Körpertemperatur: 38,5 – 40 °C
Wurfgröße: 1-12 (Zwergkaninchen 3-4)
Wurfgewicht: 30-80 g
Augen werden am 8. – 10. Lebenstag geöffnet
Absetzalter: 4. – 6. Lebenswoche
Optimale Umgebungstemperatur: 18°C
Temperaturen über 25°C sind bereits sehr belastend (Achtung bei Autotransporten im Sommer!).

Wildkaninchen leben in Gruppen. In der Kolonie besteht eine strenge Hierachie, Rammler und Häsinnen haben getrennte Rangordnungen. Ranghohe Rammler haben eine “Hauptfrau” und mehrere “Nebenfrauen”. Harnspritzen ist in Zusammenhang mit Werbung und Rangordnungskämpfen üblich.  Die trächtigen Weibchen graben Tunnel und Höhlen. Kinndrüse.

Heimkaninchen werden in immer mehr Familien als Haustiere gehalten, sie sind meistens zutraulich und problemlos. In der Wohnung werden viele Zwergkaninchen stubenrein und benutzen ein Katzenklo. Gruppenhaltung ist wegen der Rangordnungskämpfe oft mit Schwierigkeiten verbunden, dennoch sollten wenigstens 2 kastrierte Tiere idealerweise unterschiedlichen Geschlechts gehalten werden. Die gemeinsame Haltung von unkastrierten Rammlern ist praktisch unmöglich!

Die jungen Kaninchen kommen nackt und blind auf die Welt (Lagerjunge). Die Tiere haben einen einhöhligen Magen und einen sehr großen Blinddarm. Sie können nicht erbrechen und fressen ihren Blinddarmkot. Das bleibende Gebiß mit 28 Zähnen ist mit etwas 3-5 Wochen vollständig ausgebildet. Die Zähne wachsen das Kaninchenleben lang (Oberkiefer 1,3-1,7 mm/Woche Unterkiefer 1,1-1,8 mm/ Woche).

Kaninchenhaltung
Kaninchen sind gesellige Tiere und leben in größeren Gruppen zusammen, Einzelhaltung ist daher als nicht artgerecht verboten. Die Paarhaltung gleichgeschlechtlicher weiblicher oder kastrierter männlicher Tiere hat sich bewährt, ebenso die Haltung kastrierter männlicher und weiblicher Tiere. Die Haltung unkastrierte Rammler geht gar nicht. Kaninchen dürfen nicht mit Meerschweinchen als Partnerersatz zusammen gehalten werden!

Magen-/ Darmerkrankungen
Kaninchen sind wahre Experten in der Ausnutzung eines sehr kargen Futterangebotes. In der heutigen Fütterung als Haustiere werden in der Ernährung oftmals Fehler gemacht, die dann bei den Kaninchsen sehr schnell zu Durchfall führen können. Ist der Afterbereich dann feucht, können sich dort Fliegenmaden entwickeln, die die Kaninchen bei lebendigem Leib auffressen. Solche Tiere werden und regelmäßig in den warmen Sommermonaten vorgestellt!

Wichtige Infektions –  Erkrankungen
Viren: Myxomatose, RHD – Rabbit Haemorrhagic Disease
Bakterien: Ansteckender Schnupfen, Rodentiose (Pseudotuberkulose), Kaninchensyphilis (Spirochätose), Schmorls Desease, Tyzzer´s Disease, Paratyphus (Zoonose!), Coli, Listeriose, Staphylomykose
Deramtomykosen (Zoonose!): Trichophytie, Mikrosporie
Parasiten: Protozoen (Kokzidien, Toxoplasmose, Sternguckerkrankheit), Bandwürmer. Demodikose, Ohrräude, Läuse, Flöhe, Myasis (Fliegenmaden)

Kaninchen und die Liebe
Geschlechtsreife: 4-6 Lebensmonat
Brunstrythmus: etwa 6-7 Tage.
Trächtigkeitsdauer: 31 (29-35) Tage
Der Eisprung wird durch den Deckakt ausgelöst, er erfolgt etwa 12 Stunden nach der Paarung.

Probleme in der Haltung als Haustiere können dann entstehen, wenn die Kaninchen (männlich und weiblich) nicht kastriert sind. Allein durch hefitges Streicheln kann unter Umständen ein Eisprung ausgelöst werden und das kann auf Dauer Probleme verursachen, die durch eine Kastration verhindert werden können.

Unsere Empfehlung:
Werden Kaninchen als Haustiere gehalten, bitte Rammler und Kaninchendamen kastrieren lassen!

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Foto: KTraintinger

Die Fütterung der Kaninchen
Die Fütterung der Kaninchen stellt mit zunehmendem Angebot an Fertigprodukten ein immer größer werdendes Problem dar. Im Gegensatz zu den kommerziell erhältlichen Futtermitteln für Hunde und Katzen, die meist sehr gut auf den Bedarf dieser Tiere abgestimmt sind und so empfohlen werden können, sind die meisten Fertigfutter für Heimtiere kaum auf den sehr speziellen Bedarf angepasst und entsprechen nur selten den artgerechten Erfordernissen. Die Energie- und Mineralgehalte (besonders Calcium) sind zu hoch, die Rohfaser- und Strukturgehalte deutlich zu niedrig. In diesem Zusammenhang sind auch die ein Kaninchenleben lang nachwachsenden Zähne ein Thema.

Bei einer Gesundenuntersuchung und einem Beratungsgespräch bei uns in der Praxis mit unserer Nagetierexpertin Mag. Heidi Hirscher gibt sie Ihnen gerne die von ihr ausgearbeitete Fütterungsempfehlung mit!

Weiterführende Infos:
Tierschutz – Gesundheitsministerium>
Priv. Doz. Dr. Birgit Drescher – Kaninchenexpertin>