Einschätzung von Schmerzen bei Tieren

Schmerzen werden von verschieden Spezies unterschiedlich wahrgenommen. Fakt ist, dass man heute als gesichert annehmen kann, dass Tiere, die es uns nicht offensichtlich zeigen (Fische, Schildkröten, etc.) trotzdem Schmerz empfinden. Es muss also alles unternommen werden, um Schmerz, wo es geht zu verhindern oder zu lindern.

Vielen Tieren kann man es ansehen, dass sie Schmerzen haben. Ein ähnliches Problem haben die Humanmediziner, wenn es um die Einschätzung von Schmerzen bei Menschen, die nicht sprechen können, geht. Es wurden Schmerztabellen entwickelt, die in diesen Fällen weiterhelfen können.

Die Trefferquote bei der Schmerzeinschätzung bei Kindern ist sehr gut.

Etwas schwieriger ist die Situation bei Tieren, da es hier nur wenige dahingehende Untersuchungen gibt. Einzig bei den Labormäusen gibt es eine ähnliche “Pain Scale”, die mit den Grafiktabellen (Bild) für Menschen vergleichbar ist. Sie finden eine “Mouse Pain Scale” in der angeführten Publikation. Publikation mit Fotos – Coding of facial expressions of pain in the laboratory mouse >

Man muss davon ausgehen, dass sowohl der Hund als auch die Katze speziell nach Operationen an Schmerzen leiden, auch wenn sie es nicht zeigen. Man sollte sie Tiere mindestens 5 – 7 Tage mit Schmerzmittel versorgen.

Schmerzverhalten HUND

Für Hunde entwickelte die University of Glasgow die “Glasgow Composite Pain Scale”. Grundlage ist die Beobachtung von Verhaltensänderungen, die mit Schmerz verbunden werden.

1. Beobachte den Hund im Käfig

Wie verhält sich der Hund allgemein?
Ruhig(0), jaulend oder winselnd (1), stöhnend (2), schreiend (3). Was macht der Hund? Ignoriert die Wunde oder die schmerzhafte Stelle (0), sieht auf die Wunde oder die schmerzhafte Stelle (1), schleckt die die Wunde oder die schmerzhafte Stelle (2), reibt die Wunde oder die schmerzhafte Stelle (3), kaut an der Wunde oder der schmerzhaften Stelle (4)

2. Nimm die Leine

Führe den Hund aus dem Käfig (NICHT bei Wirbelsäulen-, Becken- oder multiplen Extremitätenfrakturen; in diesem Fall gleich zu Punkt 3. weitergehen):
Wenn der Hund aufsteht ist er: Normal (0), geht lahm (1), geht langsam oder zögernd (2), geht steif (3), weigert sich aufzustehen (4)

3. Wunde oder schmerzhafte Stelle

Wenn der Hund eine Wunde oder eine schmerzhafte Stelle hat, über einen sanften Druck im Radius von ca. 4 cm um die Wunde herum aus.
Was macht der Hund? Nichts (0), schaut her (1), zuckt zusammen (2), knurrt oder schützt die Stelle (3), schnappt (4), schreit auf (5).

4. Generell …

… ist der Hund: Bequem, ruhig (0); etwas unruhig (1); rastlos, ruhelos (2); angespannt, steif (3); stocksteif (4).
… ist der Hund: Happy und zufrieden bzw. lebhaft (0); ruhig (1), gleichgültig der Umwelt gegenüber (2), nervös, aufgeregt, ängstlich (3); bedrückt, reagiert nicht auf Zuruf (4).

Punkteanzahl aus der Summe der einzelnen Teilabschnitte: Gesamtbewertung

Bewertung:
0-6 (0-5) kein Schmerz
7-12 (6-10) geringgradiger Schmerz
13-18 (11-15) mittelgradiger Schmerz
19-24 (16-20) hochgradiger Schmerz.

Schmerzverhalten KATZE

Unsere Katzen sind wahre Meister darin, ihre Schmerzen zu verstecken. Beim genauen Beobachten kann man dennoch Verhaltensänderungen, Mimik und Änderungen der Körperhaltung erkennen. Es macht Sinn, wenn der Tierbesitzer das normale Verhalten seiner Katze gut kennt, dann hat er eher die Chance, dass er sieht, wenn seine Katze leidet. Im Folgenden einige Beispiele, die Schmerz, speziell nach OP´s anzeigen können.

Reaktion auf Palpation

Katzen werden an unterschiedlichen Stellen oder generell sehr berührungsempfindlich. Sie schreien, mauzen oder beißen plötzlich beim Aufheben

Lecken am Verband oder an einer Naht

Im Normalfall beachtet eine Katze eine naht oder einen Verband eher gar nicht. Außer es schmerzt, dann leckt sie daran oder beißt die Wunde auf oder reißt den Verband herunter. Katzen lecken sich Wunden weil sie schmerzen und nicht, weil sie sie reinigen möchten.

Verhalten im Katzenkorb, im Allgemeinen

Katzen mit Schmerzen ziehen sich zurück, wollen alleine gelassen werden, reagieren nicht auf eine Ansprache. Die Tiere liegen gerne beim oder am Heizkörper und springen nicht mehr auf Fensterbänke oder Möbel. Die Katzen liegen oft flach ausgestreckt am Boden und wollen nur in Ruhe gelassen werden.

Rückenlinie

Eine geduckte Haltung, ein aufgekrümmter Rücken und eine Kopftiefhaltung können auf Schmerzen hinweisen. Nach Bauch-OP´s sieht man häufig eine zusammengekauerte Haltung,

Mimik

Halb geschlossene, zusammengekniffenen Augen und hängende Ohren sind in der Regel ein Hinweis auf Schmerzen.