Erbfehler:
Zwergwuchs beim Fleckvieh

Auf Basis der neuen Methoden der Genomuntersuchung lassen sich jetzt bestimmte, seit jeher auftretende Probleme, bzw. Missbildungen als genau abgegrenzte Erbfehler feststellen. Daher sind jetzt auch die Besamungsstiere als Träger dieser Erbfehler bekannt.

Eine Information der Besamungsstation Salzburg Klessheim.

Wichtig: Es werden noch weitere vererbliche Kälberkrankheiten bzw. Fruchtbarkeitsstörungen über die Genomuntersuchungen gefunden werden, daher ist es nicht sinnvoll gewisse Stiere vorschnell aus der Zucht auszuschließen. Diese zur Zeit und weitere auch in Zukunft beschriebene Erbfehler sind schon seit 20 oder mehr Jahren in der Zucht vorhanden. Jetzt können sie genau bezeichnet und einem Stier zugeordnet werden. Dies bringt den Vorteil, in Zukunft gezielt solche Anpaarungen zu vermeiden und daher langfristig die Fitness zu verbessern.

Aktueller Stand:

Zwergwuchs

In den letzten Monaten konnten zwei Formen von Zwergwuchs in der Fleckviehzucht gefunden werden.

1. Klassischer Zwergwuchs,
charakterisiert durch nahezu total fehlendes Wachstum und einen überdurchschnittlich langen Kopf. Ist häufig, aber nicht immer, kombiniert mit einer Unterkieferverkürzung. Kennzeichnung mit DW (vom engl. dwarf = Zwerg)
DWH++ = frei von Zwergwuchs
DWH+- = Anlageträger, die Rinder sind aber vollkommen gesund
DWH– = Zwergwuchsrinder mit den typischen Eigenschaften, kein Wachstum trotz normaler Gesundheit. Sehr selten.

2. Minderwuchs wegen Fehlfunktion des Energiestoffwechsels.
Kälber sehen „normal“ aus, bleiben im Wachstum aber deutlich zurück, z. B.: 200kg Gewicht mit 10 Monaten bei normaler Gesundheit und Fresslust. Abkürzung: FH2 (von „Fleckviehhaplotyp 2=)

FH2H++ = frei von Minderwuchs
FH2H+- = Anlageträger
FH2H– = Minderwuchs mit den typischen Eigenschaften, stark zurückgeblieben im Wachstum.

Die Häufigkeit des Auftretens solcher Missbildungen ist unter 1 Promille! Das heißt, maximal 1 Kalb pro 2000 Kälber. Es besteht daher kein Grund zur Panik. Diese Probleme sind jetzt durch die technischen Möglichkeiten besser bekannt geworden.

Anlageträger DW-Zwergwuchs:
Tabelle: Stiere in der Ausgabe in Salzburg
Rezess (letzte Ausgabe Jänner 2009)
Wille (aktuell)

Die Mutation geht auf den Stier POLZER zurück, geboren 1959, der sie dann über den deutschen Enkel POSCO in die Fleckviehzucht weitergegeben hat. Die weiter auf POSCO zurückzuführenden in Österreich stark eingesetzten Stiere POLDI und die Söhne POLARI und POMAT etc…. sind glücklicherweise frei von diesem Erbfehler. Der sehr gute Leistungsvererber WILLE der diese Veranlagung über seine Mutter bekommen hat, wird weiterhin in Salzburg als Zukaufstier eingesetzt. Anpaarungen mit eventuellen Anlageträgern müssen aber vermieden werden.

Zwergwuchs-Kalb620
„Zwergwuchs“. Foto: Zuchtdata/ Besamungsanstalt Klessheim

FH2: Minderwuchs
Dieses Gen ist auch schon viele Jahre in der Fleckviehzucht vorhanden, der Verursacher ist noch nicht exakt bekannt. Auf jeden Fall sind in Salzburg sehr viele stark eingesetzte und züchterisch wertvolle Stiere betroffen, z. B.: MALF, MALHAX, RAWALF, MANDL, MYTHOS, etc… Aufgrund des höheren Risikos bei dieser Zwergwuchsform sind in Zukunft Anpaarungen eines Anlageträgers mit einem weiteren Anlageträger als MV zu vermeiden.

    Tabelle 3: Minderwuchs

FH2-Minderwuchs Anlageträger in Salzburg in der Ausgabe oder als Prüfstiere FH2-Träger:
– GS Glockner (letzte Ausgabe Dezember 2012)
– GS Inklusiv (letzte Ausgabe Februar 2013)
– GS Innocent (aktuell)
– GS Rawalf (letzte Ausgabe Dezember 2012)
– GS Rumgo (aktuell)
– GS Veneziano (aktuell)
– GS Versus (aktuell)
– GS Vogt (letzte Ausgabe Juni 2013)
– Horito (letzte Ausgabe November 2012)
– Momo (letzte Ausgabe Mai 2013)
– Redall (letzte Ausgabe August 2011)
– Waldbrand (aktuell)
– Witam (aktuell)
– Witzbold (aktuell)

Eine vollständige Liste aller Erbfehlerträger findet sich auf der Homepage der AGÖF>

Zukünftige Zuchtstrategien:

1. Es müssen Risikopaarungen mit Anlageträgern vermieden werden, dann wird die Häufigkeit dieses Erbfehlers deutlich zurückgehen.

2. Ein Ausschluss wertvoller, geprüfter oder hoch vorgeschätzter Genomvererber aus der Zucht ist nicht sinnvoll, da der Zuchtfortschritt in Konkurrenz mit anderen Rassen und dem wirtschaftlichen Umfeld nicht gehalten werden kann.

3. Beim Ankauf von Prüfstieren wird den erbfehlerfreien Kandidaten konsequent der Vorzug gegeben. Damit soll erreicht werden, dass der Zuchtfortschritt gewährleistet bleibt, und zugleich mittelfristig das Auftreten von den bekannten Erbfehlern stark vermindert wird. Da voraussichtlich auch noch weitere Erbfehler wie Bluter, embryonale Mortalität und Zinkmangel eingegrenzt werden können, wird mit endgültigen Entscheidungen noch zugewartet bis ein Gesamtüberblick der Erbfehlersituation vorhanden ist.

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