Hundekot auf Wiesen verursacht Fehlgeburten bei Kühen?

Hundekot auf Wiesen verursacht Fehlgeburten bei Kühen? … aber leider ist es nicht ganz so einfach.

In den letzten Monaten kam es bei einem Bauern in Lamprechtshausen zum Verwerfen bei mehreren Kühen, der finanzielle Schaden ist beträchtlich. Verwerfensfälle sind anzeigepflichtig, es muss von amtstierärztlicher Seite einer möglichen Ursache nachgegangen werden. Im konkreten Fall wurde vom Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen in Mödling nach der Untersuchung einiger eingeschickter Feten eine Neospora caninum Infektion als höchstwahrscheinlich mögliche Ursache festgestellt.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war für manche klar, Hundekot in den Futterwiesen hat den Schaden verursacht und die Hunde des Nachbarn waren die Schuldigen. Leider ist aus veterinärmedizinischer Sicht die Sache nicht ganz so einfach gelagert.

Um sinnvoll über eine Problemlösung diskutieren zu können, muss man über den Krankheitserreger Bescheid wissen.
Neospora caninum ist ein einzelliger Parasit aus der Gruppe der Kokzidien. Der vollständige Entwicklungszyklus dieses Parasiten wurde erst vor wenigen Jahren beschrieben, daher ist über die möglichen End- und Zwischenwirte noch nicht alles restlos bekannt. Fest steht, dass der Hund ein Endwirt ist, das heißt, er kann nach oraler Infektion mit Gewebezysten infektiöse Parasiteneier ausscheiden. Mögliche Zwischenwirte sind: Schafe, Ziegen, Pferde, Füchse, Hunde, Katzen, Ratten, Mäuse, und so weiter. Das Wirtsspektrum ist also sehr groß, ob es neben dem Hund noch andere Endwirte gibt, ist noch nicht endgültig geklärt. Eine Infektion des Menschen wurde noch nicht beschrieben. In den Zwischenwirten vermehrt sich der Parasit; wird nun infiziertes Fleisch wieder vom Hund gefressen, schließt sich der Kreis.

Ist ein Rind Zwischenwirt, kann es zu folgenden Problemen kommen: Fehlgeburten, Totgeburten, Fruchtresorption, Geburt lebensschwacher Kälber, vermehrtes Umrindern, um nur die wichtigsten zu nennen. Es kann aber auch gar nichts passieren, wie serologische Untersuchungen zeigen.

Die Infektion eines Rindes kann auf 2 Arten erfolgen: VERTIKAL (Übertragung von der Mutter auf die Nachkommen) und HORIZONTAL (orale Aufnahme von Infektionserregern über das Futter oder Wasser). Bei Rindern handelt es sich meist um eine horizontale Infektion, das heißt gesund erscheinende Kühe können infizierte Kälbchen, die klinisch unauffällig sind, gebären. Nur ein Teil dieser Nachkommen kann Antikörper gegen den Parasiten bilden. Es ist also auch prinzipiell möglich, dass man sich den Parasiten in den Bestand hineinzüchtet oder kauft. Diese vertikale Übertragung ist oft der Grund, warum eine Infektionsausbreitung in einer Herde lange unerkannt bleiben kann. Eine Übertragung von Kuh zu Kuh wurde noch nie bestätigt, ist aber theoretisch möglich.

Ohne eine horizontale Initialinfektion kann es keine vertikale Infektion geben. Damit ein Hund aber infektiöse Parasiteneier ausscheiden kann, muß er zuvor die Möglichkeit gehabt haben, infiziertes Material zu fressen. Hat ein Hund nun neosporahaltiges Gewebe gefressen (Muskelfleisch, Nachgeburtsteile, Fetalteile, etc.), dauert es etwa 5-13 Tage, bis unsporulierte Parasiteneier in kleiner Menge für kurze Zeit ausgeschieden werden, der Nachweis gelingt praktisch nie (0,009% bei 11000 untersuchten Hunden). Nach 3 weiteren Tagen haben sich die Parasiteneier weiterentwickelt und sind dann für Zwischenwirte infektiös. Zur Haltbarkeit der Parasiteneier: Unsporulierte Oozysten können in der Regel maximal 1 Tag überleben, die infektiösen Parasiteneier aber bis zu einem Monat (oder länger?). Bei Temperaturen über 50°C sterben sie bereits nach 30 Minuten.
Was kann nun gegen Neospora caninum unternommen werden? Zuerst einmal, ein Medikament zur Behandlung der Neospirose gibt es in Europa nicht, daher muß der Unterbrechung des Infektionsweges ein besonderes Augenmerk geschenkt werden.

Als erste Maßnahme muss die Infektion des Endwirtes unterbunden werden. Hunde dürfen keinen Zugang zu Abortmaterial, Nachgeburtmaterial, rohem Rindfleisch oder Fleisch von anderen möglichen Zwischenwirten haben. Ich denke dabei auch an das Verfüttern von Schlachtabfällen, das Verfüttern von rohen Kutteln, das Auslegen von Nachgeburtsteilen zum Anfüttern von Füchsen durch Jäger, das Ausbringen von nicht verwesten Nachgeburtsteilen mit dem Mist auf die Wiesen und Felder, und so weiter.

Zweitens muss eine Infektion des Zwischenwirtes verhindert werden. Bei der vertikalen Infektion spielt die Zuchthygiene eine Rolle, so sollte von einem als infiziert bekanntem Tier kein Kalb zur Zucht übernommen werden. Gibt es in einem Bestand nachgewiesene positive Fälle, sollten alle Zuchtiere des Betriebes untersucht werden. Auch Ankaufuntersuchungen könnten ein Thema sein, über das nachgedacht werden sollte.
Die horizontale Infektion ist weit schwieriger in den Griff zu bekommen. Die infizierten Hunde sind praktisch nicht auffindbar, auch scheiden sie den Erreger nur für sehr kurze Zeit aus. Die sogenannten Freizeit- und Familienhunde fressen meistens Fertigfutter und haben keinen Zugang zu infiziertem Material und stellen daher meist eine sehr geringe Gefahr dar; gefährlicher sind da schon Streuner oder Hofhunde.
Trotz alledem sollte Grünfutter, wenn möglich, nur von Flächen ohne Hundefrequenz geworben werden, die Heu- und Silagegewinnung ist höchstwahrscheinlich gefahrlos möglich. Das Futter von Rindern sollte am Hof so gelagert sein, dass Hunde und Wildcaniden keinen Zugang haben.
Die sogenannte „grüne Hundetoilette“, der Straßenrand, hat mit der Neospora caninum Infektion nicht so viel zu tun, wie ihr unterstellt wird und ist ein anderes Problem, das nicht zu vernachlässigen ist. Es sind in Wirklichkeit nur wenige Flächen, die als Hundeklo verwendet werden und es ist nicht einzusehen, wie diese Grünflächen verschmutzt werden. Der von der Gemeinde verordnete Leinenzwang müsste kontrolliert werden; er ist aber auch nur innerhalb der Ortstafeln einzusehen. Hunde sollen frei laufen können, es muss dafür aber Spielregeln geben. Gäbe es beispielsweise eine Hundewiese im Dorf, könnte man besser gegen die Verschmutzung mancher Wiesenränder und auch gegen freilaufende Hunde im Dorfzentrum vorgehen. Viele Hundebesitzer heben den Hundekot ohnehin auf, es gibt aber keine Möglichkeit der Entsorgung entlang der Spazierwege. Es wäre hoch an der Zeit, würden sich beide Seiten gemeinsam an einen Tisch setzen und über mögliche sinnvolle Vorgehensweisen diskutieren. Es ist unwahrscheinlich, dass die Hunde in Lamprechtshausen weniger werden und daher hätte ein Aufeinanderzugehen von Hundebesitzern und Landwirten durchaus Sinn, um in Zukunft Probleme zu vermeiden.

Weiterführende Informationen:
Beteiligung von Neospora caninum bei Rinderaborten in Nordbayern (Dissertation an der Ludwig – Maximilians – Universität München ais dem Jahre 2008)
Hunde und Kinder. Broschüre zum richtigen Verhalten von Kindern Hunden gegenüber, damit es zu keinen Unfällen kommt.
Hundehalteverordnung Lamprechtshausen.

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