Impfungen im Brennpunkt

Der Grundtenor sollte sein: So wenig wie möglich/ so viel wie notwendig !

Prinzipiell sollte unterschieden werden zwischen Haustierimpfungen, die das Haustier schützen und solchen, die den Tierbesitzer schützen. Als Beispiel möchte ich die Tollwutimpfung der Katzen und Hunde anführen, die meines Erachtens nach bei Freigängertieren nicht verhandelbar sein sollte.

Die Infektionskrankheiten sind bei unseren Hunden und Katzen nach wie vor ein Thema, welches durch die Ostöffnung der EU noch an Brisanz gewonnen hat. So können wir in unseren Praxen wieder Krankheiten wie die Hundestaupe beobachten, die lange Jahre als fast nicht mehr vorhanden galt. Die letzten Jahre und Jahrzehnte haben zahlreiche neue Erkenntnisse über die diversen Infektionskrankheiten und ihre Bekämpfung gebracht, die sich im aktuellen Impfregime niederschlagen. Tatsache ist, dass die Tierseuchen wieder im Vormarsch sind, einen nicht unwesentlichen Beitrag leisten die offenen Grenzen und unsere Reiseaktivitäten.

In der modernen Literatur wird zwischen CORE und NON-CORE Komponenten der Impfstoffe unterschieden. CORE Komponeten sind gegen Erreger gerichtet, gegen die das Tier jederzeit geschützt sein muß. Es sind dies Erreger, die schwerwiegende Krankheiten verursachen, zur seuchenartigen Ausbreitung in der Population neigen oder sogar für den Menschen gefährlich sind. NON-CORE Komponenten sind nur für Teile der Population gefährlich, abhängig von verschiedenen Faktoren.

Die Wahl des Impfstoffes und Impfintervalls wird von folgenden Aspekten beeinflusst: Rechtliche Bedingungen (Gesetze, Zulassungsvorgaben der Impfstoffe), Umgebung (Infektionsdruck, Zoonosegefahr), Haltung (Kontaktmöglichkeiten, Nutzung – Jagd/ Zucht/ Reise/ etc., Tier (Alter, Impffähigkeit, chronische Krankheiten). Der Tierarzt kennt die aktuelle Gefahrenlage und wird sie über die sinnvollste Impfvariante beraten. Im Idealfall sind bei vielen Impfkomponenten Intervalle von bis zu 3 Jahren möglich!

In Österreich wird folgendes CORE/ NON-CORE Schema empfohlen:

Hund: CORE-Komponenten
Hundestaupe (Canine Distemper Virus), Parvovirose/ Katzenseuche des Hundes (Canines Parvovirus 2), Hepatis contagiosa canis/ Ansteckende Leberentzündung (Canines Adenovirus 1), Tollwut ZOONOSE, Leptospirose/ Stuttgarter Hundeseuche ZOONOSE
Hund: NON-CORE Komponenten
Canines Parainfluenzavirus 2/ Zwingerhusten, Bordetella bronchiseptica/ Zwingerhusten, Borrelia burgdorferi sensu lato/ Lyme-Borreliose, Canines Herpesvirus 1/ Welpensterblichkeit, Canines Coronavirus, Babesia canis/ Babesiose, Dermatophytose ZOONOSE.

Katze: CORE Komponenten
Panleukopenie/ Katzenseuche (felines Parvovirus), Felines Herpesvirus 1 (Katzenschnupfen), Felines Calicivirus (Katzenschnupfen), Tollwut

Katze NON-CORE Komponenten
Felines Leukämievirus, Bordetella bronchiseptika (Katzenschnupfen), Chlamydophila felis ZOONOSE, Feline Infektiöse Pertitonitis, Dermatophytose ZOONOSE

Impfungen sollten prinzipiell nur bei gesunden und entwurmten Tieren durchgeführt werden. Impfungen von trächtigen Tieren sollten vermieden werden, manche sind sogar kontraindiziert. Günstig wäre eine Impfung mindestens 10 Tage vor dem geplanten Decktermin oder frühestens 6 Wochen nach der Geburt. Bei einer geplanten Deckung ist die Vorverlegung des Impftermines günstig, es kommt zu einer Erhöhung der maternalen Antikörper.

Welpen erhalten einen kleine Anteil der mütterlichen Antikörper bereits im Mutterleib, den Hauptanteil aber mit der Muttermilch. Diese Antikörper geben abhängig vom Infektionsdruck einen verschieden langen Schutz; sie wehren nicht nur Erreger ab, sie neutralisieren auch Impfantigene. Es kann dadurch eine immunologische Lücke entstehen, die mütterlichen Antikörper werden zu wenig, eine Impfung kann, aber muß noch nicht funktionieren. Aus diesem Grund gibt es gestaffelte Impfprogramme, die individuell, abhängig vom Infektionsdruck, angepasst werden. Im schlechtesten Fall gibt es für einige Komponenten Lücken von der 6 bis zur 18 Lebenswoche! Ihr Tierarzt kennt die Situation und wird sie fachgerecht beraten.

Impfzeitpunkt
Die Impfungen der Jungtiere beginnen meist in der 6-8 Lebenswoche, angepasst an die individuelle Situation, die auch noch vom Impfstatus der Elterntiere und von der aktuellen Seuchenlage beeinflusst wird.  Ihr Tierarzt wird Sie sicher gerne fachkundig beraten. Tendenziell werden zur Zeit die Impfintervalle nach einer korrekten Grundimmunisierung deutlich vergrößert, wobei auch hier individuelle unterschiede berücksichtigt werden müssen.

Homöopathie
Unabhängig von der Impfung bietet die Homöopathie Möglichkeiten, das Impfrisiko für den Patienten zu reduzieren oder auch Impfreaktionen/ Nebenwirkungen nachhaltig zu behandeln!